Nachbarschaftliches Wohnen Puchenau
Standort:
Puchenau, Oberösterreich
Fertigstellung:
2026
Fotos:
ottohainzl.at










Nachbarschaftliches Wohnen Puchenau
Verfahren: Privater Wettbewerb, Renovierung
AUFGABENSTELLUNG
Ausgangslage war eine bestehende Reihenhausbebauung in der Gemeinde Puchenau. Die Anlage bestand aus vier, dem Hang folgend abgetreppten Baukörpern aus den späten 1970er-Jahren. Die Gebäude betten sich in einen gewachsenen Baumbestand mit Ausblick ins Grüne ein. Diese bilden eigenständige Einheiten mit jeweils 50 m² Wohnfläche.
Der ursprüngliche Wunsch der Auftraggeber:innen war der Abbruch der bestehenden Anlage und die Errichtung eines Neubaus mit drei großzügigen Wohnungen in möglichst ökologischer Bauweise. Im Zuge der Bestandsanalyse zeigte sich jedoch rasch, dass die vorhandene Struktur ein erhebliches räumliches und konstruktives Potenzial in sich trägt. Durch ein konsequentes Adaptierungskonzept konnte schließlich eine effiziente und ressourcenschonende Strategie zur Realisierung entwickelt werden.
KONZEPT
Dieses Konzept ist von folgenden Leitgedanken getragen: „Stärken stärken, Schwächen schwächen“, mit dem Ziel, Bewährtes qualitativ aufzuwerten und bestehende ökologische Defizite durch gezielte Eingriffe nachhaltig zu kompensieren. Übertragen auf die Bauaufgabe bedeutet dies:
- qualitative Aufwertung der Freibereiche
- minimale Adaptierung der Grundrisse
- umfassende energetische Sanierung inklusive Neuausrichtung der Versorgungssysteme
Wesentliche Elemente der Freiraumstrategie sind die sogenannten „Baumhäuser“. Diese vorgelagerten Stahlkonstruktionen vermitteln zwischen Innenraum und umgebendem Grünraum, erweitern den Wohnraum barrierefrei ins Freie und schaffen gleichzeitig eine subtile Abgrenzung zu den jeweiligen Nachbareinheiten. So entstehen private Außenräume mit hoher Aufenthaltsqualität innerhalb einer gemeinschaftlichen Struktur.
Der Garten Aller ist rund um das Gemeinschaftshaus im Nordwesten organisiert. In diesem Bereich wurden rund 200 m² Asphaltfläche entsiegelt. Ergänzt wird die Gemeinschaftszone durch einen Terrassenturm mit Blick in Alpenvorland.
Adaptierungen im Innenraum erfolgten bewusst zurückhaltend und folgen einer konsequenten und zugleich radikalen Haltung: Funktionierende Strukturen wurden beibehalten, Eingriffe ausschließlich dort vorgenommen, wo sie technisch oder funktional erforderlich waren. Formale Präferenzen wurden dabei nicht als entscheidendes Kriterium herangezogen. Die Weiterverwendung bestehender Elemente (etwa von Fliesenböden) wurde nicht nach gestalterischem Formalismus, sondern ausschließlich anhand ihres Zustands beurteilt.
Die minimalen Adaptierungen bleiben als Spuren der ursprünglichen Raumstruktur und somit Spur der Vergangenheit sichtbar und werden durch gezielte farbliche Markierungen hervorgehoben. Die technische Infrastruktur wurde weitgehend erhalten.
Strukturell wurden jeweils zwei der bestehenden Kleinwohnungen durch gezielte Maueröffnungen zu einer großzügigen Einheit zusammengeführt. Ehemalige Eingangsbereiche wurden den Bestandsbädern zugeschlagen.
Im Zuge der thermischen Sanierung wurde die Gebäudehülle umfassend ertüchtigt: Fenster und Türen wurden erneuert, die Außenwände mit Sockeldämmung sowie einer Zellulose-Faserwärmedämmung in Kombination mit einer hinterlüfteten Holzfassade versehen. Der Dachraum wurde ebenfalls mit Zellulose gedämmt. Das neue Dach folgt der bestehenden Kubatur und ist mit einer gemeinschaftlich genutzten Photovoltaikanlage ausgestattet.
Dank einer hocheffizienten Wärmepumpe konnte das bestehende Radiatorensystem weiterverwendet werden, wodurch Eingriffe im Innenraum und damit verbundene Kosten vermieden werden konnten. Eine gemeinschaftliche Wasserstoffanlage wurde zukunftsweisend projektiert und sämtliche infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen, um eine spätere Nachrüstung zu ermöglichen.